10 Jahre Herminator!! Mit seinem „Jahrhundertsturz“ heute vor 10 Jahren bei den Olympischen Spielen in Nagano machte sich Hermann unsterblich. US-Fotograf Carl Yarbrough erlebte den Herminator-Sturz näher als jeder andere – so nahe, dass er den Luftzug spüren konnte. Heute erinnert er sich an den Tag, der auch der wichtigste in seinem Leben werden sollte.
Glückstag für Fotograf „Klar ist mir bewusst, dass sich dieser unglaubliche Sturz zum zehnten Mal jährt. Damals war der 13. ein Freitag – und für mich ein Glückstag“, lacht der 51-jährige Ski-Fotograf am Telefon. „Und ich erinnere mich noch immer an jedes Detail.“ Keiner war bei Maiers Abflug so hautnah dran wie der schlitzohrige Fotoreporter des US-Magazins Sports Illustrated. Für die immer wieder verschobene Olympia-Abfahrt hatte er sich jene (verbotene) Position ausgesucht, an der die FIS aus Sicherheitsgründen einen TV-Turm abtragen ließ. Yarbrough arbeitete mit einem Trick: „Ich habe ein Schneeloch gegraben und immer, wenn die Offiziellen gekommen sind, meine Leiter darin versteckt.“ Am 13. Februar 1998 saß Yarbrough jedenfalls auf seiner Konstruktion, als Maier auf ihn zuschoss. Er war völlig unvorbereitet: „Der Vorteil an dieser Stelle war, dass ich die Läufer hörte, wie sie die Kurve davor ankratzten. So konnte ich meine Kamera in Position bringen.“
Nur Hermann hörte er nicht Der war nämlich bereits in der Luft. „Ich hatte keine Chance mehr, runterzuspringen und wusste: Entweder ich werde erschlagen, oder ich habe das Foto meines Lebens – und hielt drauf.“ Zwölf Mal in der Sekunde löste seine Nikon aus, ehe der Herminator aufschlug und nach den berühmten Salti über die Fangzäune im Schnee liegen blieb. Yarbrough: „Ich habe den Luftzug gespürt, als er mich mit irrem Karacho verfehlt hat. Nachdem alles vorbei war, befürchtete ich das Schlimmste. Ich hatte früher bei Gerüst-Arbeiten zu tun und hatte meine Erfahrung mit bösen Abstürzen. Ich dachte: ,Das hat er nicht überlebt!’ Aber dann stand der Bursche auf, als wär’ nix passiert. Ich fragte ihn ,Bist du okay?’, und als Maier nickte, hob ich den Daumen und meinte: ,Great shot!’ Ich hatte das Foto meines Lebens!“ In dem Moment klingelte Yarbroughs Handy. Die Redaktion wollte wissen, ob er ein Foto vom Maier-Sturz habe. Der meinte: „Ja, und zwar jedes verdammte Detail.“
Sturzvideo auf youtube.com Das Video vom unglaublichen 80-Meter-Abflug (inklusive Yarbroughs Sprung von der Leiter im Hintergrund) wurde auf „youtube.com“ bereits eine Viertelmillion Mal abgerufen. Die obersten Olympia-Bosse ließen es in eine weltweite Kampagne einbauen („Hinfallen ist einfach, Aufstehen und wieder zurückkommen ist der harte Teil“), und der Hermann selbst erklärte, nachdem er drei Tage später Super-G-Gold eingefahren und einen Anruf von Arnold Schwarzenegger erhalten hatte: „Vielleicht dreht er einen Herminator-Film und schmeißt den Terminator weg.“ Das Foto schaffte es aufs Sports Illustrated-Cover und spielte für Yarbrough eine sechsstellige Dollar-Summe ein. Den Erlös investierte Yarbrough in seine neue Ranch in Boulder, Colorado, und meint: „Wenn Hermann einmal in der Nähe ist, lade ich ihn gerne auf ein Bier ein.“ (Knut Okresek)
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