Drei Kugeln für den Herminator
Keine Frage: Der finale Akt der Saison 2004/05 ist für den Herminator sicherlich nicht so zu Ende gegangen, wie er selber sich das vorgestellt hat. Im Thriller um die grosse Kristallkugel musste er sich hinter Bode Miller und Benni Raich mit der Rolle eines Nebendarstellers begnügen. Und auch im Kampf um die Super- G Kugel wurde er von Bode Miller im Endeffekt zum Statisten degradiert. Trotzdem wäre es falsch und unreflektiert, wenn man dem Herminator das Attribut " Verlierer" an die Fersen heften würde. Fakt ist: Der Hermann hat heuer zwar weniger Siege als im Vorjahr eingefahren, dafür realisierte er die grössere Anzahl an Stockerlplätzen, als in der Saison 2003/04. Das selbe trifft auf die Anzahl der Top- Ten Plazierungen zu! Hinzu kommt die Riesen- Goldmedaille von Bormio, deren Glanz alles andere überstrahlte. Das einzige was fehlt, ist der Glanz einer Kristallkugel. Obwohl er in Wahrheit auch heuer drei Kugeln gewonnen hat....
1. Die Kugel für das sensationellste WM- Comeback
Nach den WM- Schlappen in der Abfahrt und im Super- G, hatten die Internationalen Medien das lebende Ski- Denkmal Hermann Maier bereits vom Sockel geschrieben! " Maiers Zeit ist endgültig abgelaufen" liess beispielsweise Deutschlands selbsternannter Ski- Heiliger Christian Neureuther in seiner WM - Kolumne verlauten. Der "Ski- Heiland" wurde Medial regelrecht gekreuzigt und zu Grabe getragen. Doch es folgte die herminatorische Auferstehung: Maier fuhr in sensationeller Manier zu WM- Gold im Riesenslalom! Das alles, trotz einer zugenähten Wunde am Schienbein und denn damit verknüpften Diskussionen, ob ein Start überhaupt Sinn machen würde?! Mensch Maier, welch Auferstehung!
2. Die Kugel für die besten Sprüche der Saison
Kein anderer schiesst die " Wuchtln" derart begnadet und zielsicher aus den Hüften, wie der Herminator. Das ultimative Schmankerl war sein Konter auf Christain Neureuthers WM- Kolumne: " Wer ist eigentlich dieser Neureuther? Ach so, ein Deutscher! Dann soll er sich um den Fussball kümmern..."
Noch ein Beispiel gefällig? Als Maier von seinen Trainern vor der WM- Abfahrt in die Qualifikation verbannt wurde, und nicht zur anschliessenden Pressekonferenz erschien, hatte er Tags darauf folgende Erklärung auf Lager: " Ich wollte den Journalisten lediglich Nahrung zu Spekulationen geben, damit sie was zu schreiben haben. Schliesslich können sie über die Zuschauer keine Geschichten schreiben, denn es sind ja gar keine da..."
3. Die Kugel für die meisten TV- Interviews
Obwohl Bode Miller und Benni Raich heuer mehr Siege einfahren konnten, wurden sie in der Medienlandschaft vom Herminator deutlich in den Schatten gestellt! Keiner bekam auch nur annähernd so viele Interview Anfragen, wie Herminator Pressesprecher Walter Delle Karth. Als ÖSV- Cheftrainer Toni Giger in Bormio die Aufstellung des Abfahrtsteams diktierte, waren mehr Journalisten zugegen als bei der Pressekonferenz von Bode Miller, nach dessen Goldmedaille in der Abfahrt. Italiens Sportbibel " Gazzetta dello Sport " würdigte Maiers Riesen- Goldmedaille mit vier Seiten. Zum Vergleich: Abfahrts- Gold von Bode Miller war den Gazzetta- Blattmachern gerade mal eine Seite wert...
Maier und Miller- wo liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Ausnahmekönnern? Der Herminator hat es mal so formuliert: " Miller spricht besser Englisch als ich..." Typisch Hermann: Immer ein Schmäh auf den Lippen. Und dort liegt der wahre Unterschied zwischen Maier und Miller: Während der US- Boy ein notorischer Jammerer ist, sich ständig über den Rummel um seine Person beschwert, entwaffnet der Herminator unangenehme Situationen mit einer klassischen " Maier- Wuchtl". Es gibt eben nur ein Hermann Maier...
Marcel Perren